Wie viele Bundeskanzler hatte Deutschland? Die komplette Liste

Pascal Knoll • 5. November 2026
Porträts von deutschen Bundeskanzlern, darunter Angela Merkel. Die Frage "wie viele Bundeskanzler hatte Deutschland" wird hier visuell beantwortet.

Inhaltsverzeichnis

Wer die politische Geschichte Deutschlands verstehen will, landet schnell bei der scheinbar einfachen Frage: Wie viele Bundeskanzler hatte Deutschland? Seit Gründung der Bundesrepublik im Jahr 1949 waren es zehn verschiedene Personen. Die Liste zeigt nicht nur Namen und Jahreszahlen, sondern auch, wie sich Staat, Parteien und politische Schwerpunkte verändert haben.

Die entscheidenden Zahlen auf einen Blick

  • Zehn Personen hatten seit 1949 das Amt des Bundeskanzlers inne.
  • Friedrich Merz ist seit dem 6. Mai 2025 der zehnte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.
  • Der erste Bundeskanzler war Konrad Adenauer.
  • Angela Merkel war die erste Frau im Kanzleramt und regierte 16 Jahre.
  • Gemeint sind die Bundeskanzler der Bundesrepublik seit 1949, nicht die Reichskanzler früherer deutscher Staaten.

Seit 1949 gab es zehn Bundeskanzler

Die klare Antwort lautet zehn Bundeskanzler. Gezählt werden dabei die Personen, die seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland das Amt tatsächlich innehatten. Im Jahr 2026 ist Friedrich Merz der amtierende Kanzler und damit Nummer zehn in dieser Reihe.

Ich finde bei dieser Frage eine Unterscheidung besonders wichtig. Eine Person ist nicht dasselbe wie eine Regierung. Ein Kanzler kann mehrere Kabinette führen, etwa nach einer Bundestagswahl oder einem Wechsel der Koalition. Deshalb ist die Zahl der Bundesregierungen höher als die Zahl der Kanzler.

Nr. Bundeskanzler Amtszeit Partei
1 Konrad Adenauer 1949-1963 CDU
2 Ludwig Erhard 1963-1966 CDU
3 Kurt Georg Kiesinger 1966-1969 CDU
4 Willy Brandt 1969-1974 SPD
5 Helmut Schmidt 1974-1982 SPD
6 Helmut Kohl 1982-1998 CDU
7 Gerhard Schröder 1998-2005 SPD
8 Angela Merkel 2005-2021 CDU
9 Olaf Scholz 2021-2025 SPD
10 Friedrich Merz seit 2025 CDU

Wer waren die zehn Bundeskanzler im Einzelnen

Konrad Adenauer prägte die Gründungsjahre der Bundesrepublik von 1949 bis 1963. Seine Politik setzte stark auf die Westbindung, die europäische Integration und den Aufbau demokratischer Institutionen. Mit 14 Jahren Amtszeit war er der erste und zugleich einer der langlebigsten Kanzler.

Ludwig Erhard folgte ihm 1963. Bekannt wurde er vor allem als Vater des wirtschaftlichen Aufschwungs und der sozialen Marktwirtschaft. Seine Kanzlerschaft dauerte allerdings nur rund drei Jahre.

Kurt Georg Kiesinger führte von 1966 bis 1969 die erste große Koalition aus CDU/CSU und SPD. Seine Amtszeit ist deshalb politisch interessant, weil Regierung und größte Oppositionspartei in dieser Konstellation gemeinsam Verantwortung trugen.

Willy Brandt wurde 1969 der erste sozialdemokratische Bundeskanzler seit der Gründung der Bundesrepublik. Seine Ostpolitik, die auf vorsichtige Annäherung und neue Gesprächskanäle setzte, veränderte Deutschlands Verhältnis zu den Staaten Osteuropas.

Helmut Schmidt übernahm 1974 und regierte bis 1982. Er wurde besonders durch seinen sachorientierten Umgang mit wirtschaftlichen Krisen und dem Terrorismus der RAF geprägt. Sein Ende im Amt kam durch ein konstruktives Misstrauensvotum im Bundestag.

Helmut Kohl war mit 16 Jahren der am längsten amtierende Kanzler der Bundesrepublik. Sein Name ist untrennbar mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 verbunden. Er blieb auch nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik bis 1998 im Amt.

Gerhard Schröder regierte von 1998 bis 2005 an der Spitze einer rot-grünen Bundesregierung. Seine Arbeitsmarkt- und Sozialreformen veränderten den deutschen Sozialstaat tiefgreifend und bleiben politisch bis heute umstritten.

Angela Merkel war von 2005 bis 2021 Bundeskanzlerin. Sie war die erste Frau in diesem Amt und führte Deutschland durch mehrere Krisen, darunter die Finanzkrise, die Eurokrise und die erste Phase der Corona-Pandemie.

Olaf Scholz leitete von 2021 bis 2025 eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Der russische Angriff auf die Ukraine führte unter seiner Regierung zur politischen Formel der Zeitenwende und zu einer neuen Debatte über Sicherheit und Verteidigung.

Friedrich Merz wurde am 6. Mai 2025 zum zehnten Bundeskanzler gewählt. Damit begann die aktuelle Regierungsphase, die im Jahr 2026 noch andauert.

Warum Deutschland nicht direkt den Kanzler wählt

Viele Menschen sprechen davon, dass Deutschland einen Kanzler wählt. Genau genommen wählt die Bevölkerung jedoch den Deutschen Bundestag. Der Bundestag wählt anschließend den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin, bevor der Bundespräsident die Ernennung vornimmt.

Dieses Verfahren gehört zum parlamentarischen Regierungssystem der Bundesrepublik. Der Kanzler braucht also eine Mehrheit im Parlament und muss politische Unterstützung organisieren. Das erklärt auch, warum Koalitionen eine so große Rolle spielen und warum eine Bundestagswahl nicht automatisch zu einem Regierungswechsel führt.

Ein Kanzler kann außerdem aus dem Amt scheiden, ohne dass sofort eine neue Bundestagswahl stattfindet. Das zeigte sich 1982 beim Wechsel von Helmut Schmidt zu Helmut Kohl. Entscheidend war damals das konstruktive Misstrauensvotum, bei dem der Bundestag gleichzeitig einen neuen Kanzler wählen muss.

Bundeskanzler, Reichskanzler und Regierungschefs sind nicht dasselbe

Die Zahl zehn bezieht sich ausschließlich auf die Bundesrepublik Deutschland seit 1949. Für frühere Epochen gelten andere Amtsbezeichnungen und politische Systeme. Im Deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik gab es beispielsweise Reichskanzler, aber keine Bundeskanzler im heutigen Sinn.

Auch die deutsche Teilung führt gelegentlich zu Verwirrung. Die DDR hatte einen Ministerrat beziehungsweise zuvor einen Ministerpräsidenten als Regierungschef. Diese Ämter werden nicht in die Liste der Bundeskanzler der Bundesrepublik eingerechnet.

Wer nach der Wiedervereinigung fragt, muss deshalb nicht neu zählen. Seit 1990 gibt es weiterhin ein gemeinsames Bundeskanzleramt. Die deutsche Einheit hat die Reihe der Bundeskanzler nicht unterbrochen, sondern das Staatsgebiet der Bundesrepublik erweitert.

Was die kurze Liste über die deutsche Demokratie verrät

Zehn Personen in mehr als sieben Jahrzehnten wirken zunächst nach wenig Wechsel. Tatsächlich gab es aber deutliche politische Brüche, von der Westbindung über die Ostpolitik und die Wiedervereinigung bis zu heutigen Debatten über Sicherheit, Wirtschaft und sozialen Zusammenhalt.

Die Amtszeiten zeigen außerdem, wie unterschiedlich politische Stabilität aussehen kann. Adenauer, Kohl und Merkel regierten sehr lange, während Erhard, Kiesinger und Scholz deutlich kürzer im Amt waren. Für mich ist das der wichtigste Punkt hinter der reinen Zahl: Die Geschichte der Bundesrepublik lässt sich nicht nur an zehn Namen ablesen, sondern an den politischen Entscheidungen, die mit ihnen verbunden sind.

Die Antwort bleibt dennoch eindeutig. Seit 1949 hatte die Bundesrepublik Deutschland bis zum Jahr 2026 zehn verschiedene Bundeskanzler. Friedrich Merz ist der amtierende zehnte Kanzler, während Angela Merkel weiterhin die einzige Frau in der bisherigen Reihe ist.

Häufig gestellte Fragen

Seit 1949 hatten zehn verschiedene Personen das Amt des Bundeskanzlers inne. Der erste war Konrad Adenauer, Friedrich Merz ist der zehnte und amtierende Bundeskanzler.

Eine Person kann mehrere Kabinette führen, etwa nach einer Bundestagswahl oder einem Koalitionswechsel. Deshalb entspricht die Zahl der Regierungen nicht der Zahl der Personen im Kanzleramt.

Die Bevölkerung wählt den Deutschen Bundestag. Anschließend wählt der Bundestag den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin, bevor der Bundespräsident die Ernennung vornimmt.

Die zehn Bundeskanzler beziehen sich ausschließlich auf die Bundesrepublik Deutschland seit 1949. Im Kaiserreich und in der Weimarer Republik gab es Reichskanzler, während die DDR andere Bezeichnungen für ihre Regierungschefs verwendete.

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Autor Pascal Knoll
Pascal Knoll
Mein Name ist Pascal Knoll und ich blicke auf 15 Jahre Erfahrung in den Bereichen Politik, Gesellschaft und Zeitgeschichte zurück. Meine Faszination für diese Themen begann früh und hat sich über die Jahre nur vertieft. Ich interessiere mich besonders dafür, wie historische Ereignisse und gesellschaftliche Entwicklungen unser heutiges Leben prägen. In meinen Texten versuche ich, komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen und aktuelle Trends zu analysieren. Dabei lege ich großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung und die klare Organisation von Informationen, um meinen Lesern nützliche und präzise Einsichten zu bieten. Mein Ziel ist es, aktuelle und relevante Themen aufzugreifen und sie so aufzubereiten, dass sie für alle zugänglich sind.

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