Forsa-Sonntagsfrage - AfD vorn, Union unter Druck, SPD schwach

Berthold Hein 23. Juli 2026
Menschen halten "Ja!"-Karten hoch vor dem Logo der AfD. Die forsa umfrage aktuell zeigt die Partei im Aufwind.

Inhaltsverzeichnis

Die aktuelle Forsa-Umfrage zeigt mehr als nur ein Zwischenbild im deutschen Wahlklima. Sie macht sichtbar, wie stabil die AfD inzwischen vor der Union liegt, warum die SPD weiter an Boden verliert und weshalb die Linke plötzlich wieder deutlich sichtbarer wird. Ich ordne die Zahlen ein, erkläre die Methode hinter der Sonntagsfrage und zeige, wie man aus solchen Werten saubere Schlüsse zieht, ohne in die üblichen Deutungsfehler zu geraten.

Die AfD liegt klar vorn, die Regierungsparteien bleiben unter Druck

  • Im aktuellen RTL/ntv-Trendbarometer vom 28. Juli 2026 erreicht die AfD 27 Prozent, die Union 21 Prozent.
  • Grüne und Linke kommen auf 16 und 13 Prozent, die SPD auf 12 Prozent, die FDP auf 4 Prozent.
  • Das BSW wird nicht separat ausgewiesen, weil der Wert unter 3 Prozent liegt; die sonstigen Parteien liegen zusammen bei 7 Prozent.
  • 27 Prozent der Befragten sind Nichtwähler oder Unentschlossene, also bleibt im Feld noch viel Bewegung möglich.
  • Forsa arbeitet mit telefonischen Zufallsstichproben; im aktuellen Trendbarometer wurden 2502 Wahlberechtigte befragt.

Die aktuelle Lage in Zahlen

Wer die Sonntagsfrage nüchtern liest, sieht zuerst eine einfache Botschaft: Die AfD führt, und zwar nicht knapp. Der Vorsprung vor der Union beträgt sechs Punkte, während die SPD mit 12 Prozent sogar hinter die Linke zurückfällt. Das ist politisch deshalb bemerkenswert, weil sich hier nicht nur eine Momentaufnahme zeigt, sondern ein ziemlich hartnäckiges Stimmungsbild.

Partei Aktuell Veränderung zur Vorwoche
AfD 27 % +1
CDU/CSU 21 % -1
Grüne 16 % ±0
Linke 13 % +1
SPD 12 % ±0
FDP 4 % ±0
Sonstige 7 % -1
Nichtwähler und Unentschlossene 27 % hoch

Einordnung: Der Abstand zwischen AfD und Union ist inzwischen groß genug, um die politische Debatte zu prägen, aber nicht groß genug, um jede Entwicklung festzuschreiben. Gerade bei Umfragen mit einer echten Unsicherheit im Hintergrund zählt nicht nur der Momentwert, sondern vor allem die Richtung über mehrere Wochen.

Dass die Linke mit 13 Prozent vor der SPD liegt, ist fast genauso wichtig wie der Spitzenplatz der AfD. In einer Landschaft, in der viele Wähler offenbar unzufrieden oder unentschlossen bleiben, verschieben sich die Gewichte nicht nur nach rechts, sondern auch innerhalb des linken Lagers. Genau das erklärt, warum diese Umfrage so viel Aufmerksamkeit bekommt.

Warum diese Umfrage politisch mehr sagt als nur Prozentwerte

Mich interessiert bei solchen Zahlen nicht nur die Rangfolge, sondern die Stimmung dahinter. Im Moment ist die Regierung selbst das dominierende Thema: 48 Prozent nennen Lage und Handeln der Koalition als eines der wichtigsten Probleme. Dazu kommt die wirtschaftliche Lage mit 23 Prozent und die Regierungsbildung mit 21 Prozent. Das ist ein ziemlich klares Signal, dass Politik nicht als Lösung, sondern als Belastungsprobe wahrgenommen wird.

  • 48 Prozent nennen die Lage und das Handeln der Regierung als wichtigstes Thema.
  • 23 Prozent nennen die wirtschaftliche Lage.
  • 21 Prozent nennen die Regierungsbildung.
  • Nur 11 Prozent erwarten eine Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse.
  • 71 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.

Auch die Kompetenzfrage fällt deutlich aus. 15 Prozent trauen der AfD am ehesten zu, die Probleme des Landes zu lösen, 12 Prozent nennen die Union. Grüne und Linke kommen jeweils auf 6 Prozent, die SPD auf 5 Prozent. Noch wichtiger finde ich aber den Gegenpol: 53 Prozent trauen keiner Partei politische Kompetenz zu. Genau dieser Vertrauensverlust ist der eigentliche Treiber hinter vielen aktuellen Verschiebungen.

Wer die Zahlen also nur als Wettlauf der Parteifarben liest, übersieht den Kern: Die Umfrage misst auch Enttäuschung, Erschöpfung und Distanz zur politischen Mitte. Und aus dieser Distanz speist sich die Dynamik der kommenden Wochen.

Wie Forsa solche Werte erhebt

Forsa selbst beschreibt die Erhebung als mehrstufige Zufallsstichprobe. Zunächst werden Regionen ausgewählt, dann werden Telefonnummern zufällig erzeugt, und im Haushalt entscheidet die Geburtstagsmethode, wer befragt wird. Das wirkt auf den ersten Blick technisch, ist aber entscheidend: Nur so entsteht eine Chance, dass nicht immer dieselben Personen in der Stichprobe landen.

  • Die Befragung läuft computergestützt per Telefon.
  • Die Auswahl erfolgt über mehrere Zufallsschritte, nicht nach Bauchgefühl.
  • Nicht erreichte Haushalte werden mehrfach erneut angerufen.
  • Im aktuellen Trendbarometer lag die Datenbasis bei 2502 Befragten.
  • Die statistische Fehlertoleranz wurde mit plus/minus 2,5 Prozentpunkten angegeben.

Für mich ist das der wichtigste Realitätscheck: Eine Umfrage ist kein Wahlabend, sondern eine präzise, aber begrenzte Messung. Sie bildet Stimmungen ab, keine festen Wahlergebnisse. Genau deshalb sollte man Ergebnisse immer zusammen mit Stichprobengröße, Erhebungszeitraum und Fehlertoleranz lesen. Ohne diesen Rahmen werden aus Zahlen schnell Schlagzeilen, die mehr versprechen, als sie halten können.

Welche Fehler ich beim Lesen von Umfragen immer wieder sehe

Der häufigste Fehler ist die Überreaktion auf einzelne Punkte. Ein Plus von einem Punkt oder ein Minus von einem Punkt kann politisch interessant sein, muss aber nicht automatisch eine echte Verschiebung im Wählerverhalten bedeuten. Wer jede Wochenzahl als Wendepunkt deutet, liest zu viel in ein Instrument hinein, das eher Trends als Gewissheiten liefert.

  • Prozentpunkte werden mit Prozent verwechselt, obwohl das politisch etwas völlig anderes ist.
  • Ein Wochenwert wird als Trend verkauft, obwohl erst mehrere Messungen ein Muster ergeben.
  • Parteien unter 3 Prozent werden zu früh abgeschrieben, obwohl sie in der nächsten Welle wieder sichtbar sein können.
  • Die 27 Prozent Nichtwähler und Unentschlossenen werden gern ignoriert, obwohl genau dort Bewegung entsteht.
  • Koalitionsrechnungen werden zu wörtlich genommen, obwohl Sonntagsfragen keine Mandatsprognosen sind.

Ich würde deshalb immer dieselbe Frage stellen: Hat sich etwas wirklich verändert, oder schauen wir gerade nur auf das normale Rauschen einer Stichprobe? Gerade in politisch aufgeladenen Phasen ist diese Unterscheidung wichtiger als jede schnelle Deutung.

Was die Werte für Parteien und Koalitionen bedeuten

Die aktuelle Verteilung zeigt vor allem eines: Es gibt derzeit kein überzeugendes Mehrheitsnarrativ. Die AfD führt deutlich, aber die Union ist nicht so weit abgeschlagen, dass sich die politische Auseinandersetzung schon erledigt hätte. Gleichzeitig liegt die SPD mit 12 Prozent so schwach da, dass ihr Rang innerhalb des linken Spektrums mehr und mehr zur Belastung wird. Dass die Linke vor ihr steht, ist deshalb nicht nur ein Schönheitsfehler, sondern ein symbolischer Einschnitt.

Rechnerisch sind auch klassische Bündnisse nicht gerade komfortabel. Union und SPD kämen zusammen auf 33 Prozent, Union und Grüne auf 37 Prozent. Das heißt nicht, dass solche Formationen unmöglich wären, aber es zeigt, wie fragil die Lage ist. Solche Werte erzählen weniger von stabilen Mehrheiten als von einer politischen Landschaft, in der viele Optionen theoretisch existieren, aber kaum eine wirklich trägt.

Für den Wahlkampf bedeutet das vor allem Druck auf die Regierungsparteien. Die Union muss nicht nur gegen die AfD Abstand halten, sondern zugleich Vertrauen in ihre Führungsfähigkeit zurückgewinnen. Die SPD kämpft zusätzlich darum, überhaupt noch als eigenständige Kraft wahrgenommen zu werden. Und die Grünen bleiben zwar stabiler als manche andere Partei, schaffen im Moment aber keinen Durchbruch, der die Lage grundlegend verschiebt.

Worauf ich bis zur nächsten Messung achten würde

Die entscheidende Frage ist jetzt nicht, ob die AfD an einem Dienstag 27 oder 26 Prozent hat. Entscheidend ist, ob der Vorsprung über mehrere Wellen hält und ob die Regierungsparteien irgendeinen glaubwürdigen Gegenakzent setzen können. Ich würde deshalb besonders auf drei Dinge achten: die wirtschaftlichen Erwartungen, die Bewertung der Regierung und die Frage, ob unentschlossene Wähler wieder stärker mobilisiert werden.

Wenn sich an den 71 Prozent Pessimisten nichts ändert, bleibt die politische Ausgangslage für die Ampel-Nachfolge schwer, auch wenn sich einzelne Personalfragen beruhigen. Wenn die Linke ihren jüngsten Höhenflug hält, wird die SPD noch stärker unter Rechtfertigungsdruck geraten. Und falls das BSW wieder aus dem statistischen Nebel auftaucht, verändert das sofort die Debatte um die politische Mitte und die Ränder.

Wer eine Forsa-Umfrage richtig liest, sucht deshalb nicht nur nach Gewinnern und Verlierern, sondern nach den dahinterliegenden Bewegungen. Genau dort liegen die Hinweise darauf, ob aus einem Wochenwert ein echter Trend wird oder ob die nächste Erhebung das Bild schon wieder verschiebt.

Häufig gestellte Fragen

Die AfD kommt auf 27 Prozent, die Union auf 21 Prozent. Der Vorsprung beträgt also sechs Punkte und ist damit deutlich genug, um die politische Debatte zu prägen. Gleichzeitig bleibt es eine Momentaufnahme, weil Umfragen nur Trends abbilden und im Feld noch 27 Prozent Nichtwähler oder Unentschlossene stehen.

Die Linke erreicht 13 Prozent und liegt damit knapp vor der SPD mit 12 Prozent. Das ist nicht nur ein Symbolwert, sondern zeigt eine Verschiebung innerhalb des linken Lagers. Für die SPD ist das besonders heikel, weil sie damit weiter an Sichtbarkeit und Gewicht verliert.

48 Prozent nennen die Lage und das Handeln der Regierung als eines der wichtigsten Probleme. Dazu kommen 23 Prozent für die wirtschaftliche Lage und 21 Prozent für die Regierungsbildung. Besonders deutlich ist der Pessimismus: Nur 11 Prozent erwarten eine Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse, 71 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.

Rechnerisch bleibt die Lage fragil. Union und SPD kämen zusammen nur auf 33 Prozent, Union und Grüne auf 37 Prozent. Die Zahlen zeigen damit eher eine zersplitterte Landschaft als stabile Mehrheiten, auch wenn solche Bündnisse theoretisch weiterhin denkbar sind.

Forsa arbeitet mit telefonischen Zufallsstichproben, regionaler Auswahl, zufällig erzeugten Telefonnummern und der Geburtstagsmethode im Haushalt. Im aktuellen Trendbarometer wurden 2502 Wahlberechtigte befragt, die Fehlertoleranz liegt bei plus/minus 2,5 Prozentpunkten. Deshalb sollte man einzelne Wochenwerte nicht überdehnen und immer zusammen mit Stichprobe und Unsicherheit lesen.

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Autor Berthold Hein
Berthold Hein
Mein Name ist Berthold Hein, und ich bringe vier Jahre Erfahrung im Bereich Politik, Gesellschaft und Zeitgeschichte mit. Mein Interesse an diesen Themen entstand aus der Überzeugung, dass ein tiefes Verständnis der Vergangenheit und der gegenwärtigen gesellschaftlichen Strömungen entscheidend ist, um die Herausforderungen unserer Zeit zu begreifen. Ich schreibe über politische Entwicklungen, soziale Bewegungen und historische Zusammenhänge, um komplexe Themen verständlich zu machen und meinen Lesern zu helfen, die Zusammenhänge besser zu erkennen. Bei meiner Arbeit lege ich großen Wert auf sorgfältige Recherche und die Überprüfung von Quellen. Ich vergleiche verschiedene Perspektiven und bemühe mich, schwierige Inhalte klar und prägnant zu präsentieren. Mein Ziel ist es, aktuelle und relevante Informationen zu liefern, die nicht nur informativ, sondern auch zugänglich sind. Ich hoffe, dass meine Beiträge dazu beitragen, das Bewusstsein für wichtige gesellschaftliche Fragen zu schärfen und einen konstruktiven Dialog zu fördern.

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