Ist die AfD inzwischen stärkste politische Kraft in Deutschland? Die aktuelle AfD-Umfrage im ARD-DeutschlandTrend liefert darauf eine klare, aber nicht endgültige Antwort. Ich ordne die neuesten Zahlen ein, erkläre die Aussagekraft der Sonntagsfrage und zeige, was hinter dem Aufstieg der Partei steckt.
Die wichtigsten Zahlen zur AfD im DeutschlandTrend auf einen Blick
- 27 Prozent erreicht die AfD in der aktuellen Sonntagsfrage.
- Damit liegt sie deutlich vor der Union mit 20 Prozent.
- Befragt wurden 1.303 Wahlberechtigte zwischen dem 28. und 30. September 2026.
- Die Ergebnisse sind mit einer Schwankungsbreite von ungefähr 2 bis 3 Prozentpunkten zu lesen.
- Der Wert zeigt politische Stimmung, ist aber keine Wahlprognose.
Die aktuelle AfD-Umfrage zeigt einen deutlichen Vorsprung
In der jüngsten Befragung des ARD-DeutschlandTrends kommt die AfD auf 27 Prozent. Die CDU/CSU erreicht 20 Prozent und liegt damit sieben Punkte zurück. Die Grünen kommen auf 16 Prozent, die SPD auf 13 Prozent und Die Linke auf 11 Prozent.
| Partei | Sonntagsfrage | Veränderung zum Vormonat |
|---|---|---|
| AfD | 27 % | unverändert |
| CDU/CSU | 20 % | -1 Punkt |
| Grüne | 16 % | +1 Punkt |
| SPD | 13 % | unverändert |
| Die Linke | 11 % | -1 Punkt |
| FDP | 4 % | unverändert |
Der Abstand zur Union ist politisch bemerkenswert, weil die AfD bei der Bundestagswahl im Februar 2025 noch deutlich hinter CDU und CSU lag. Damals erhielt die Union 28,5 Prozent, die AfD kam auf 20,8 Prozent. Ich würde daraus allerdings nicht automatisch auf eine dauerhafte neue Rangordnung schließen. Umfragen zeigen eine Momentaufnahme, keine festgeschriebene Zukunft.
Was die Sonntagsfrage tatsächlich misst
Die Sonntagsfrage lautet sinngemäß, welche Partei man wählen würde, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre. Sie misst damit die aktuelle politische Präferenz, nicht die tatsächliche Wahlentscheidung an einem bestimmten Wahltag.
Für den DeutschlandTrend wurden 1.303 Wahlberechtigte befragt. Die Erhebung kombinierte Telefoninterviews und Online-Befragungen. Bei einem Parteienwert von etwa 10 Prozent liegt die Schwankungsbreite laut den veröffentlichten Angaben bei ungefähr 2 Prozentpunkten, bei größeren Parteien bei rund 3 Punkten.
Warum einzelne Punkte nicht überbewertet werden sollten
Ob die AfD bei 26, 27 oder 28 Prozent liegt, lässt sich aus einer einzelnen Umfrage nicht sicher ableiten. Ein Teil dieser Differenz kann schlicht durch den statistischen Spielraum entstehen. Aussagekräftiger ist für mich deshalb der Trend über mehrere Monate.
Ebenso wichtig ist der Unterschied zwischen Stimmenanteil und Sitzen. Bei einer Bundestagswahl spielen die Fünfprozenthürde, Direktmandate und die Verteilung der Zweitstimmen eine zentrale Rolle. Ein Umfragewert von 27 Prozent bedeutet also nicht, dass die AfD automatisch 27 Prozent der Mandate erhalten würde.
Der Aufstieg der AfD ist Teil einer längeren Entwicklung
Der aktuelle Wert steht nicht isoliert. Bereits im Frühjahr 2026 lag die AfD im DeutschlandTrend erstmals vor der Union. Im Sommer baute sie ihren Vorsprung zeitweise weiter aus und erreichte im August mit 28 Prozent ihren bisher höchsten Wert in dieser Umfragereihe.
Gleichzeitig verlor die Union deutlich an Zustimmung. Der aktuelle Wert von 20 Prozent gehört zu ihren schwächsten Ergebnissen im DeutschlandTrend. Das macht die Entwicklung besonders auffällig, denn der Zugewinn der AfD ist nicht nur eine Folge eigener Stärke, sondern auch eine Folge der Schwäche der Regierungsparteien.
Ich halte deshalb zwei Bewegungen auseinander. Erstens wächst die Bereitschaft, die AfD zu wählen. Zweitens sinkt bei vielen Bürgerinnen und Bürgern das Vertrauen in Union und SPD. Beides verstärkt sich gegenseitig, ist aber nicht exakt dasselbe.
Warum die AfD derzeit so viele Menschen erreicht
Die Umfragewerte lassen sich nicht auf ein einziges Thema reduzieren. Die aktuelle politische Stimmung wird von hohen Lebenshaltungskosten, wirtschaftlicher Unsicherheit, Migration und wachsender Unzufriedenheit mit der Bundesregierung geprägt.
Im DeutschlandTrend geben 77 Prozent an, zunehmend Belastungen zu spüren, obwohl Entlastungen versprochen worden seien. Rund die Hälfte befürchtet, den eigenen Lebensstandard künftig nicht halten zu können. Solche Sorgen schaffen ein Umfeld, in dem Parteien mit klaren Schuldzuweisungen und einfachen politischen Botschaften leichter Gehör finden.
Hinzu kommt ein Vertrauensproblem. Nur 10 Prozent sind mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden, ebenso viele bewerten die Arbeit des Kanzlers positiv. Wenn etablierte Parteien als zerstritten oder handlungsunfähig wahrgenommen werden, profitiert häufig die stärkste Protestoption.
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Protestwahl und Überzeugung sind nicht dasselbe
Ein Teil der AfD-Zustimmung beruht auf echter programmatischer Überzeugung. Ein anderer Teil ist Ausdruck von Protest, Enttäuschung oder dem Wunsch, den übrigen Parteien einen Denkzettel zu geben. Diese Motive können sich überschneiden, bleiben aber politisch verschieden.
Eine Untersuchung von infratest dimap zeigte bereits im Sommer, dass sich die AfD-Unterstützung besonders stark aus der Distanz zu den anderen Parteien speist. Für die Bewertung der Zahlen ist das wichtig. Protestwähler können ihre Präferenz schneller ändern als Menschen mit einer langfristigen Parteibindung.
Was der Vorsprung für die deutsche Politik bedeutet
Ein erster Platz in der Sonntagsfrage verschafft der AfD Aufmerksamkeit und erhöht den Druck auf alle anderen Parteien. Er bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie die Bundesregierung stellen kann. Dafür bräuchte sie nach einer Wahl einen Koalitionspartner oder eine eigene Mehrheit.
Derzeit schließen die im Bundestag etablierten Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD auf Bundesebene aus. Selbst ein deutlicher Vorsprung in Umfragen führt deshalb nicht unmittelbar zu einer Regierungsbeteiligung. Er verändert aber die politische Debatte, die Themengewichtung und den Wahlkampf.
Besonders stark ist der Effekt auf die Union. Sie muss entscheiden, ob sie AfD-Themen übernimmt, um Wähler zurückzugewinnen, oder ob sie sich klar abgrenzt und eigene Lösungen anbietet. Meine Einschätzung ist, dass kurzfristige Übernahmen einzelner Forderungen selten genügen. Entscheidend ist, ob eine Partei bei Wirtschaft, Migration und staatlicher Handlungsfähigkeit glaubwürdig wirkt.
So lassen sich Umfragen zur AfD sinnvoll vergleichen
Wer mehrere Ergebnisse miteinander vergleichen möchte, sollte nicht nur auf die Prozentzahl schauen. Erhebungszeitraum, Institut, Stichprobengröße und Fragestellung können das Ergebnis beeinflussen.
- Gleiche Fragestellung: Eine Sonntagsfrage ist besser mit einer anderen Sonntagsfrage vergleichbar als mit einer Zustimmung zu einzelnen politischen Forderungen.
- Mehrere Institute: Ein Trend wirkt belastbarer, wenn er bei verschiedenen Instituten sichtbar wird.
- Erhebungszeitraum: Debatten, Krisen oder politische Entscheidungen kurz vor der Befragung können die Werte verändern.
- Statistische Schwankung: Unterschiede von einem oder zwei Punkten sind nicht automatisch echte Bewegungen.
- Wahlbeteiligung: Umfragen unter Wahlberechtigten sind nicht identisch mit einer Prognose für tatsächlich abgegebene Stimmen.
Ich achte außerdem darauf, ob ein Ergebnis bundesweit oder regional erhoben wurde. Bei Landtagswahlen kann die AfD deutlich stärker oder schwächer abschneiden als im Bundesdurchschnitt. Regionale Themen, Kandidaten und die politische Geschichte eines Bundeslandes machen einen erheblichen Unterschied.
Was hinter den 27 Prozent wirklich steckt
Der aktuelle Wert ist ein Warnsignal für die etablierten Parteien, aber kein endgültiges Wahlergebnis. Er zeigt, dass die AfD von der Unzufriedenheit mit der Bundesregierung, wirtschaftlichen Sorgen und dem Wunsch nach politischer Abgrenzung profitiert.
Für eine seriöse Einordnung reicht es nicht, nur die höchste Zahl der AfD zu nennen. Man muss auch die Schwankungsbreite, den Vergleich zur Bundestagswahl und die Entwicklung bei den anderen Parteien berücksichtigen. Genau dort liegt die wichtigste Aussage der aktuellen Umfrage. Die AfD ist stark, während das Vertrauen in die Regierungsparteien deutlich nachgelassen hat.
Wer die politische Lage im Jahr 2026 verstehen möchte, sollte deshalb weniger auf einzelne Schlagzeilen und stärker auf mehrere aufeinanderfolgende Erhebungen, Themenbewertungen und die tatsächliche Wahlbeteiligung schauen. Erst das Gesamtbild zeigt, ob aus einem Umfragehoch ein dauerhafter Wandel im deutschen Parteiensystem wird.
